Neue Sonderausstellung in der Gedenkstätte

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Am 27. April ist in der Gedenkstätte Dachau die Sonderausstellung Namen statt Nummern - Niederländische politische Häftlinge im KZ Dachau eröffnet worden. Die 21 jährige Niederländerin Sydney Weith erzählte über den ehemaligen Häftling Ernst Sillem, den sie kennengelernt hat, als sie 16 war. Ihre enge Verbindung mit dem Ehrengast, der vor ihr in der ersten Reihe saß, war spürbar.

Im KZ Dachau waren von 1941 bis 1945 mehr als zweitausend Gefangene aus den Niederlanden inhaftiert. Die meisten von ihnen wurden als politische Häftlinge eingestuft. Bei ihrer Ankunft erhielten sie, wie alle anderen Häftlinge, eine Nummer. Ihr Name spielte ab diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr. Die Ausstellung zeigt durch persönliche Geschichten und authentische Gegenstände, wie die Häftlinge versucht haben, ihre Identität und ihre Persönlichkeit zu bewahren – in einem System, das darauf ausgerichtet war, die Häftlinge zu entmenschlichen. Pim Boellaard kratzte ein Damebrett in den Deckel einer Holzkiste, Johannes Kapteyn zog Kraft aus seiner Bibel, Lies Bueninck hielt ein Foto ihres Töchterchens versteckt und Ernst Sillem schaffte es, seinen Eltern zweimal ein Schmuggelbriefchen zu schicken, als er auf den Transport in ein anderes KZ musste.

gnmn objectcollage1200.originalBild: Widerstandsmuseum Amsterdam

 

Besondere Grundlage für die unter der Leitung vom Widerstandsmuseum Amsterdam angefertigte Ausstellung sind die von niederländischen Schülern verfassten Biographien ehemaliger Häftlinge. Die Schüler forschten dafür in Archiven, erkundeten historische Orte und führten Interviews mit den Dachau-Überlebenden oder ihren Nachfahren. Mit diesen Biographien leisteten die Jugendlichen einen Beitrag für das Gedächtnisbuch, das sich in der Versöhnungskirche auf dem ehemaligen KZ-Gelände befindet. Jedes Jahr am 22. März, dem Jahrestag der Errichtung des Konzentrationslagers Dachau, reisten niederländische Schüler nach Dachau, um bei der jährlichen Veranstaltung des Gedächtnisbuchprojektes neue Biographien vorzustellen und diese dem Gedächtnisbuch hinzuzufügen. Die Überlebenden, die es betraf, sind fast immer mitgereist. Zwischen mehreren Überlebenden und ihren jungen Biographen entstand eine tiefe Freundschaft. So auch zwischen dem heute 94 jährigen Ernst Sillem und der 21 jährigen Sydney Weith.

Bei der Ausstellungseröffnung hielten unter anderem die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Frau Dr. Gabriele Hammermann und Peter Vermeij, der Generalkonsul des Königreichs der Niederlande in München, eine Rede. Doch die Rede der Sydney Weith war bestimmt am eindrucksvollsten. Sie erzählte nicht nur über Ernsts Widerstandsaktivitäten und seine Haft, sondern auch über die Lebensweisheiten, die Ernst ihr mitgegeben hat. Sie rührte viele, als sie über die Freundschaft erzählte die sie mit Ernst aufgebaut hat. Zusammen mit ihrem Freund hat sie ihn in seinem Haus in Südfrankreich besucht und regelmäßig schreiben sie einander. „Seine Briefe zaubern immer ein Lächeln auf mein Gesicht und enden immer mit den Worten ‚Dein Ernst‘,″ erzählte sie strahlend. Ernst saß vor ihr in der ersten Reihe. Er genoss es.

Die Sonderausstellung ist bis zum 28. Februar 2019, täglich von 9–17 Uhr (außer am 24. Dezember) geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

Jos Sinnema, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Gedächtnisbuchprojektes und Initiator der Ausstellung.