En mémoire Clément Quentin

IN MEMORIAM

Clément Quentin Amsterdam 2013

 

 

 

 

 

 

Nach einem erfüllten Leben starb Clément Quentin am Donnerstag, 19. September 2019 im Spital von Cholet. Er hatte am Vortag seinen 99. Geburtstag gefeiert, umgeben von den Seinen.

Clément Quentin wurde am 18. September 1920 in Fuilet geboren. Er besuchte die öffentliche Schule ab dem 5. Lebensjahr und hat sein ganzes Leben lang seinen Lehrer in sehr guten Erinnerung behalten, der den Kindern „die Demokratie, die Republik, die Freiheit, das Ehrgefühl, die Heimat, die Achtung der menschlichen Person und des Eigentums anderer, die Ehrlichkeit, die Redlichkeit und viele andere Werte“ beibrachte, so erzählt er in seinem Buch,
das zugleich Zeugnis ist: „Stück 72889 – menschliches Versuchskaninchen in Dachau“. Im Internat der Mittelschule Sankt Joseph in Ancenis hat er sich entschlossen, als er 16 war, seine Ausbildung nicht fortzusetzen. Bei seinem Vater und seinen Onkeln lässt er sich zum Viehhändler ausbilden. Im Alter von 18 Jahren will er Offizier werden, um seinem Vaterland zu dienen. Nach der Kriegserklärung, da er noch minderjährig ist, weigert sich sein Vater (Kriegsveteran ans dem ersten Weltkrieg), ihm zu gestatten, sich für die Dauer des Kriegs zu engagieren. Er wird anders kämpfen. Unter der deutschen Besatzung wird das Leben für Clément Quentin immer weniger erträglich. Er versucht über Spanien nach Algerien zu fahren. Seine Bemühungen scheitern. Er versucht per Schiff nach London zu gelangen. Zweiter Fehlschlag. Er sucht gleichgesinnte Menschen, die die Werte der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit achten. Ende 1942 findet einen Ansprechpartner und schließt sich der Widerstandsbewegung „Libération Nord“ an. Anfang 1943 tritt er auch dem Netzwerk Cohors Asturies in Basse-Loire unter dem Decknamen Quérian bei. Diese Widerstandsgruppe ist mit der Bewegung Libération Nord am engsten verbunden. Clément Quentin ist mit der Rekrutierung und Ausbildung von Geheimagenten beauftragt, die auf Auskunft, Sabotage und Luftlandung spezialisiert sind. Das Ziel ist es, Informationen über Truppenbewegungen, stationierte Streitkräfte, Züge, Elektrizitätswerke, Treibstofflager, Beschlagnahmungen, über das Verhalten der Gendarmerie, des Bürgermeisters zu liefern. Im 1944 leitet Clément Quentin 4 Gruppen, die solche Informationen sammeln.
Clément Quentin ist am 26. April 1944 von zwei Gestapobeamten bei sich zu Hause am Abend festgenommen. Im Gefängnis von Angers gesperrt, bleibt er in Einzelhaft. Die Verhöre beginnen am 6. Mai und dauern eineinhalb Monat, Clément bricht aber nicht zusammen. Auch unter den Foltern weigert er sich, seine Freunde zu denunzieren. Als er am 8 Juni zum Tode verurteilt wird, glaubt er, er werde erschossen, ist aber zwei Tage später per Bus mit anderen Mitglieder seiner Widerstandsgruppe nach Paris und Compiègne überstellt.
Nach einer Woche im Internierungslager Compiègne erfolgt am 18. Juni die Abreise Richtung Deutschland. Zu Hunderten in einem Viehwaggon. Nach vier Tagen und drei Nächte öffnen sich die Türe. Es ist am Bahnhof Dachau angekommen, geht auf einer kleinen Straße, am Ende der ersten Gefangenenkolonne, von SS und Hunden bewacht und landet ins Lager, wo die Verschleppten zur „Nummer“ werden. Ihm wird eine Nummer zugewiesen. Er ist nunmehr das Stück 72889. Als er die Lagerinsassen anschaut, nimmt er bewusst wahr, was auf ihn zukommt. „Ich sehe wandelnde Leichnamen, bis auf die Knochen abgemagerte, seltsam gekleidete Kreaturen. Verstörte Blicke aus Augenhöhlen, die auf euch schauen, ohne euch zu sehen.“
Er wird gedemütigt, erduldet Hunger, Kälte und Krankheiten. Dem Außenkommando Dickerhoff zugeteilt, muss er Zementsäcken, Balken beim Waten durch Schlamm, bei Regen tragen. Ihm gelingt eine Zuteilung als Dreher in einem Kommando, welches für BMW in Allach arbeitet. Er ist vor Wetterunbilden geschützt, wird aber von der Diphterie befallen, muss ins Hauptlager Dachau zurück und wird ins Revier im Block der ansteckenden Kranken verlegt. Zusätzlich zu der Diphterie und derer Komplikationen entwickelt er eine doppelte Bronchopneumonie, eine Angina Vincent und erkrankte dann an Brustfellentzündung am rechten Lungenflügel. Dr. Marceau, ein französischer Häftling, hilft ihm, soweit er kann. Er wird aber vom Block 11 ins Block 5 überstellt, das Versuchsblock, wo SS-„Ärzte“ tätig sind. Die Nazis betreiben schreckliche pseudo-„medizinische“ Experimente, täglich bekommt er mehrere Spritze Strychnin, er wird als Versuchskaninchen missbraucht, man versetzt ihm Stromstöße. Zum Glück überstand er diese. Am Ende seiner Kräfte wird er Anfang Januar ins Block 30, das Invalidenblock, in der Nähe des Krematoriums verlegt, zum Sterben verurteilt, da kein Versuchskaninchen es lebendig überstehen kann. Er wartet auf den Tod, überlebt doch dieses regelrechte Dantische Inferno.Das Lager wird am 29. April 1945 von den Amerikanern befreit. Clément Quentin wird nach Frankreich zurückgebracht, er wiegt kaum 25 Kilo. Obwohl er noch nicht 25 Jahre alt ist, beschreibt er sich selbst als „Greis“. Er leidet an Typhus, an Tuberkulose. Zurück in Frankreich wird er vom Dr. Bernou, dem Präsidenten der französischen Tuberkulose-Fachärzte, behandelt und betreut. Im Mai 1946 wird er im Pflegeheim von Giversac in Dôme (Dordogne) aufgenommen. Erst im 1947 kann er die Arbeit wiederaufnehmen. 1948 heiratet er Monique. Die Rückkehr zum „normalen“ Leben wird lange dauern. Angstkrisen, Albträume sind häufig und hartnäckig, besonders bis 1972. Auf beruflicher Ebene fängt er wieder bei null an, übt verschiedene Berufe aus, bevor er eine Geflügelzucht gründet. Stets von dem Gedanken der Solidarität geleitet, ist er der Mitbegründer der ersten französischen Geflügelgenossenschaft im 1956, bevor er zum Vizepräsidenten des Verbands der französischen Geflügelgenossenschaften ernannt wird.
Dachau ist der Eckpfeiler seiner Familiengeschichte. Clément Quentin ist immer bestrebt, seine Erfahrungen zu teilen. Diese Fackel wird von seinen Nachkommen übernommen, Generation nach Generation weitergegeben. Zwei seiner Sohne haben sich engagiert: der eine als CRS und Bergführer, im Dienst gestorben; der andere, Serge, Oberstleutnant der Gendarmerie, ist Vizepräsident der französischen Lagergemeinschaft Dachau und Mitglied des CID- Exekutivbüros. Sein Enkel Wilfried, Oberfeldwebel der Gendarmerie, ist Fahnenträger der französischen Lagergemeinschaft und des Internationalen Lagerkomitees Dachau: „Was er uns vermittelt hat: über die Pflicht des Gedenkens hinweg, gilt es, weiter voran zu gehen, ohne sich über kleine Unannehmlichkeiten zu beklagen“ (Wilfried). Seine Enkelin Sandra ist tätig in der französischen Lagergemeinschaft. Sein Urenkel Pierre Antoine hat ihn im Jahre 2010 bei den jährlichen Befreiungsfeier des Lagers begleitet. Seine Urenkelin Irène ist im Jahre 2016 zum ersten Mal nach Dachau gefahren.
Für Clément Quentin ist die Weitergabe der Erinnerung die Leitlinie seines Lebens nicht nur im Bereich seiner eigenen Familie aber auch bei der Jugend. Als er seine berufliche Tätigkeit beendet hat, besucht er Schulen und Gymnasien, um sein Engagement zu erklären. Man schätzt, dass er vor 25 und 30.000 Schülerinnen und Schüler gesprochen hat, gibt sein Sohn Serge an.
Am 1. März 2013 hat Clément Quentin seinen Lebensweg als Widerstandskämpfer und Deportierte vor einer Zuhörerschaft von ehemaligen Parlamentariern der französischen Nationalversammlung beschrieben und erinnert daran, dass es notwendig ist, nicht zu vergessen, wie zerbrechlich der Frieden ist, dass der Kampf um die Freiheit nie gewonnen ist und dass die „Schlafenden“ nicht immer da sind, wo man sie erwartet. Und ihm wurde vor den stehenden Parlamentariern mit der Ehrenmedaille der Nationalversammlung ausgezeichnet.
Voriges Jahr, im September 2018, hat die Stadt Cholet eine Straße nach ihm benannt, um diesen außergewöhnlichen Menschen zu würdigen.
Wir verweisen auf die Botschaft von Clément, die Anfang 2013 im Bulletin der französischen Lagergemeinschaft veröffentlicht wurde:
„Der Widerstandsgeist gehört nicht zum Los einer besonderen Kategorie von Staatsbürgern, er ist das Los von uns allen. Der Kampf für die Achtung der Menschenwürde darf nicht nachlassen. (…) An der Schwelle zum dritten Jahrtausend ist es angebracht, einen Blick auf das gerade zu Ende gegangene Jahrhundert zu werfen, damit die in der Vergangenheit durchgemachte Prüfungen im Gedächtnis der Frauen und Männer immer noch präsent werden, die morgen die Verantwortung für die Zukunft tragen werden. Damit diese Frauen und Männer eine gerechtere und menschlichere Gesellschaft schaffen, welche vom Geist der Gerechtigkeit und der Freiheit geprägt ist. Da wir des Wertes der Freiheit nur bewusst sind, wenn man sie verloren hat. Ich bleibe optimistisch und bin sicher, Ihr die jungen Generationen werdet wissen, wie man diese Flamme des Widerstandes am Brennen hält und sie wird nicht erlöschen.“

 

Amsterdam 2013
Dachau 2017

Das Lager wird am 29. April 1945 von den Amerikanern befreit. Clément Quentin wird nach Frankreich zurückgebracht, er wiegt kaum 25 Kilo. Obwohl er noch nicht 25 Jahre alt ist, beschreibt er sich selbst als „Greis“. Er leidet an Typhus, an Tuberkulose. Zurück in Frankreich wird er vom Dr. Bernou, dem Präsidenten der französischen Tuberkulose-Fachärzte, behandelt und betreut. Im Mai 1946 wird er im Pflegeheim von Giversac in Dôme (Dordogne) aufgenommen. Erst im 1947 kann er die Arbeit wiederaufnehmen. 1948 heiratet er Monique. Die Rückkehr zum „normalen“ Leben wird lange dauern. Angstkrisen, Albträume sind häufig und hartnäckig, besonders bis 1972. Auf beruflicher Ebene fängt er wieder bei null an, übt verschiedene Berufe aus, bevor er eine Geflügelzucht gründet. Stets von dem Gedanken der Solidarität geleitet, ist er der Mitbegründer der ersten französischen Geflügelgenossenschaft im 1956, bevor er zum Vizepräsidenten des Verbands der französischen Geflügelgenossenschaften ernannt wird.
Dachau ist der Eckpfeiler seiner Familiengeschichte. Clément Quentin ist immer bestrebt, seine Erfahrungen zu teilen. Diese Fackel wird von seinen Nachkommen übernommen, Generation nach Generation weitergegeben. Zwei seiner Sohne haben sich engagiert: der eine als CRS und Bergführer, im Dienst gestorben; der andere, Serge, Oberstleutnant der Gendarmerie, ist Vizepräsident der französischen Lagergemeinschaft Dachau und Mitglied des CID- Exekutivbüros. Sein Enkel Wilfried, Oberfeldwebel der Gendarmerie, ist Fahnenträger der französischen Lagergemeinschaft und des Internationalen Lagerkomitees Dachau: „Was er uns vermittelt hat: über die Pflicht des Gedenkens hinweg, gilt es, weiter voran zu gehen, ohne sich über kleine Unannehmlichkeiten zu beklagen“ (Wilfried). Seine Enkelin Sandra ist tätig in der französischen Lagergemeinschaft. Sein Urenkel Pierre Antoine hat ihn im Jahre 2010 bei den jährlichen Befreiungsfeier des Lagers begleitet. Seine Urenkelin Irène ist im Jahre 2016 zum ersten Mal nach Dachau gefahren.
Für Clément Quentin ist die Weitergabe der Erinnerung die Leitlinie seines Lebens nicht nur im Bereich seiner eigenen Familie aber auch bei der Jugend. Als er seine berufliche Tätigkeit beendet hat, besucht er Schulen und Gymnasien, um sein Engagement zu erklären. Man schätzt, dass er vor 25 und 30.000 Schülerinnen und Schüler gesprochen hat, gibt sein Sohn Serge an.
Am 1. März 2013 hat Clément Quentin seinen Lebensweg als Widerstandskämpfer und Deportierte vor einer Zuhörerschaft von ehemaligen Parlamentariern der französischen Nationalversammlung beschrieben und erinnert daran, dass es notwendig ist, nicht zu vergessen, wie zerbrechlich der Frieden ist, dass der Kampf um die Freiheit nie gewonnen ist und dass die „Schlafenden“ nicht immer da sind, wo man sie erwartet. Und ihm wurde vor den stehenden Parlamentariern mit der Ehrenmedaille der Nationalversammlung ausgezeichnet.
Voriges Jahr, im September 2018, hat die Stadt Cholet eine Straße nach ihm benannt, um diesen außergewöhnlichen Menschen zu würdigen.
Wir verweisen auf die Botschaft von Clément, die Anfang 2013 im Bulletin der französischen Lagergemeinschaft veröffentlicht wurde:


„Der Widerstandsgeist gehört nicht zum Los einer besonderen Kategorie von Staatsbürgern, er ist das Los von uns allen. Der Kampf für die Achtung der Menschenwürde darf nicht nachlassen. (…) An der Schwelle zum dritten Jahrtausend ist es angebracht, einen Blick auf das gerade zu Ende gegangene Jahrhundert zu werfen, damit die in der Vergangenheit durchgemachte Prüfungen im Gedächtnis der Frauen und Männer immer noch präsent werden, die morgen die Verantwortung für die Zukunft tragen werden. Damit diese Frauen und Männer eine gerechtere und menschlichere Gesellschaft schaffen, welche vom Geist der Gerechtigkeit und der Freiheit geprägt ist. Da wir des Wertes der Freiheit nur bewusst sind, wenn man sie verloren hat. Ich bleibe optimistisch und bin sicher, Ihr die jungen Generationen werdet wissen, wie man diese Flamme des Widerstandes am Brennen hält und sie wird nicht erlöschen.“

Sylvie Graffard.