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KZ – Gemeinschaft Dachau

Vereinigung für antifaschistische Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit zum ehemaligen Konzentrationslager Dachau

(ZVR-Zahl 166708991)


KZ – Gemeinschaft Dachau

Vereinigung für antifaschistische Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit zum ehemaligen Konzentrationslager Dachau

(ZVR-Zahl 166708991)

 

 

 

Tätigkeitsbericht 2018

 

Teilnahme an den Befreiungsfeiern des Parlaments und des Bundeskanzleramtes der Republik Österreich

Westbahnhof Wien / Gedenkveranstaltung für den 1. Dachautransport im Jahr 1938

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände wurde am Wiener Westbahnhof die jährliche Gedenkveranstaltung in Anwesenheit von 2 Schulklassen abgehalten.

 

 

Projektpräsentation „DACHAUREIF“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teilnahme an der Befreiungsfeier des KZ Flossenbürg

Ernst Berger hat als Delegierter des CID an der Befreiungsfeier teilgenommen.

 

 

 

 

Teilnahme an der Befreiungsfeier in Marzabotto / Italien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im September 1944 wurden in Marzabotto 800 Zivilisten von der SS ermordet – eine Racheaktion gegen die Aktivitäten der Partisanenbrigade „Stella Rossa“, die am Monte Sole gegen die deutschen Besatzer gekämpft hat.

 

Ferdinand Berger-Preis des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes

Der Preis, der den Namen des ehemaligen Dachauhäftlings Ferdinand Berger trägt, wird von René und Ernst Berger gestiftet und jährlich für öffentliches Auftreten gegen Rechtsradikalismus vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) vergeben.

PreisträgerInnen des Jahres 2017 waren: Die Journalistin Christa Zöchling und der Polizist Uwe Sailer.

P reisträger des Jahres 2018 ist der Schriftsteller Michael Köhlmeier:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Preisverleihung erfolgte im Wiener Rathaus durch die Kulturstadträtin und den wissenschaftlichen Leiter des DÖW.

p.Adr. Univ. Prof. Dr. Ernst Berger, Loudonstraße 40A, 1140 Wien

Kto. BAWAG-PSK AT93 6000000510103920 (IBAN) OPSKATWW (BIC)


 
boekernstKinder der Rückkehr – auch aus Dachau

„Trotz unterschiedlicher individueller Lebenswege, die von einer gesellschaftlichen Randgruppe im reaktionär-katholischen Klima Österreichs in die Mitte der Gesellschaft geführt haben, wirkt die Zusammengehörigkeit bis heute fort und führt zu regelmäßig wiederkehrenden Treffen: die „Kinderjause“ – das sind etwa 200 Personen, geboren zwischen 1939 und 1953“, erzählt Ernst Berger in einem Interview.

Was hatten ihre Eltern ihnen erzählt über die Zeiten des nationalsozialistischen Terrors und des Widerstands? Wie hatten sie ihre Rückkehr erklärt? Wie gingen sie mit dem Schweigen und Leugnen von Kriegsverbrechen in Österreich um? Wie erlebten die Kinder die nicht selten dogmatischen Einstellungen und Ideologien ihrer Eltern – angesichts des Kalten Krieges, des Aufdeckens stalinistischer Verbrechen, der Krisen in Osteuropa und der demokratischen Neuerfindung der österreichischen Republik? „Auf viele Fragen hatten wir nur spekulative Antworten“, begründet Ernst Berger seine Forschungsmotivation.

1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein – es folgte der sogenannte „Anschluss“ an das Deutsche Reich. 80 Jahre später veröffentlichen Ernst Berger und Ruth Wodak mit Kinder der Rückkehr ein Buch bei Springer VS, in dem sie die Gruppe der „Kinderjause“ erstmals systematisch erfassen. Es geht um Kinder kommunistischer und teilweise jüdischer Eltern, die die Zeit des Nationalsozialismus überlebt hatten und nach Kriegsende aus Exilländern und Konzentrationslagern in ihre Heimat zurückgekehrt waren, um ein neues demokratisches Österreich aufzubauen. In diesem Kreis führten Berger und Wodak Interviews, um den Umgang mit der Geschichte der Eltern und der Weitergabe an die nächste Generation aus diskursanalytischer und psychotherapeutischer Perspektive nachzuzeichnen.

„Die meisten Gesprächspartner kennen nur wenig Einzelheiten über die Flucht und die Gefangenschaften ihrer Eltern“, fasst Ruth Wodak das Phänomen des „Erzählschleiers“ und der „Zeitlose Orte“ zusammen. Erzählungen über Flucht, Vertreibung, Exil und Haft seien vor allem durch Orte, nicht aber über genaue Zeitangaben erinnert worden. „Die meisten weisen eine erstaunliche Resilienz auf“, kommentiert Ernst Berger ein zweites zentrales Ergebnis. Trotz großer Rucksäcke voller Leid, Angst, Kampf, Verlust, Visionen und politischen Prinzipien, die sie von ihren Eltern mitbekommen hatten, schlugen sie kreative Lebenswege ein, erkämpften sich berufliche Perspektiven und ließen sich durch Ausgrenzungen und Diskriminierungen von ihren Zielen nicht abhalten. Ein Punkt überraschte die beiden Autoren besonders: Viele Befragte zeigten eine „Achillesferse“ in Form einer Erinnerung, die sie immer wieder fast wortgleich und verbunden mit großer Emotionalisierung ausdrückten. Dies seien „Tränenthemen“, in denen sich das Leidvolle und Furchterregende der Nazizeit verdichte. „Dieses Tränenthema und die zugehörige Erinnerung sind abgespalten“, erklärt Wodak. Es tauche nur bei bestimmten Anlässen auf, ohne sich anzukündigen.

„Die Kinder haben im Laufe ihrer Biografien von ihren Eltern klare politische und moralische Haltungen mitbekommen“, sagt Ernst Berger. Mit den Werten, sich für ein „Nie wieder“ und eine bessere Welt einzusetzen, wurde sehr unterschiedlich umgegangen. „So sind sie alle am Rand der Gesellschaft gestartet und in der Mitte gelandet, was Berufswahl und Lebensstandard betrifft“, fasst Ruth Wodak zusammen. Eine kritisch-linke, politische Positionierung behielten jedoch alle bei.

Professor Dr. Ernst Berger ist Kinderpsychiater, Psychotherapeut und Entwicklungsforscher. Professor Dr. Ruth Wodak ist Sprachsoziologin und Diskursforscherin.

Ernst Berger / Ruth Wodak
Kinder der Rückkehr
2018, 345 S., 36 Abb., davon 32 in Farbe
Hardcover € 49,99 (D) | € 51,39 (A) | sFr 51.50 (CH)
ISBN 978-3-658-20849-3
Auch als eBook verfügbar

 

Reflexionen über das Buch „Kinder der Rückkehr“

Eva Friedler

Das Buch „Kinder der Rückkehr“ hat für viele Kinder der 2. und 3. Generation von Eltern, die nach dem 2. Weltkrieg nach Österreich zurückkehrten Diskussionen ausgelöst.

Beschäftigt sich doch das Buch mit uns, sei es als Interviewte oder Betroffene.

Der Satz von Sonja Holtz-Arendse bei der Generalversammlung des CID 2018: „Wir sind doch alle eine Familie; wir haben doch alle die gleiche Geschichte“ fällt mir immer wieder ein. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir nicht sicher, ob das wirklich zutrifft! Aber als Konsequenz der Veröffentlichung des Buches zeigt sich, dass es für viele von uns tatsächlich so erlebt wird.

Es gab bereits Treffen von Betroffenen, die über viele Fragen, die im Zusammenhang mit diesem Buch stehen wie: waren wir in unserer Jugend, nach der Rückkehr der Eltern z.B. aus Dachau tatsächlich marginalisiert? Konnten wir unser Leben vom Rand in die Mitte gestalten? Es wird deutlich, dass unsere Eltern wenig bis gar nichts aus ihrer Zeit der Gefangenschaft erzählen konnten!

So wussten wir „Kinderjausenkinder“(Zusammenkünfte der Kinder der Rückkehr) auch wenig voneinander.

Offensichtlich ist es in anderen Ländern ähnlich, denn diese Auseinandersetzung mit der Geschichte unserer Eltern zeigt sich sowohl in vielen Veröffentlichungen als auch in Treffen der Nächsten Generationen.

 

Tätigkeitsbericht 2017

  • Jährliche Gedenkveranstaltungen:


Westbahnhof Wien – Gedenktafel für den 1. Dachautransport (1938):

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Gedenken an die Opfer der Gestapo (ehemaliges GESTAPO-Hauptquartier):

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  • Vorträge und Diskussionsveranstaltungen:

 

    • Eva Friedler hat im Rahmen einer -Diskussionsveranstaltung des KZ-Verbandes über die Österreicher im KZ Dachau referiert.

    • Ernst Berger hält an der Medizinischen Universität Wien ein regelmäßiges Seminar zum Thema „NS-Psychiatrie – ein Betriebsunfall der Geschichte“, in dem auch die Menschenversuche im KZ Dachau behandelt werden

  •  Befreiungsfeier 2017

     

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Eva Friedler bei der Gedenkfeier beim Krematorium 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • CID-Preis

Unter der Federführung von Ernst Berger und Sybille Steinbacher wurde der CID-Preis im Jahr 2017 erstmals vergeben (Verleihungszeremonie im Max Mannheimer-Haus im März 2018)

  • Ferdinand Berger-Preis des DÖW

Gemeinsam mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes haben René und Ernst Berger einen Preis gegen Rechtsradikalismus ausgeschrieben, der im April 2018 erstmals vergeben werden wird.

 

 

  • Buchpublikationen

 

img04tatig2018Die Lebensgeschichten dieser Menschen – denen Helene Maimann den Namen „Kinderjausner“ gab (Maimann 2016) – waren individuell sehr unterschiedlich. Noch größer aber waren die Unterschiede, die sie von anderen Jugendlichen der 1950er- und 1960er-Jahre trennten. Begeben wir uns daher im Folgenden auf die Suche nach den Gemeinsamkeiten. Denn diese bilden noch heute für etwa 200 Personen, die mittlerweile 65 bis 75 Jahre alt sind, das Fundament ihrer Zusammengehörigkeit. Die „Kinder der Rückkehr“ sind zum Teil noch in jenen Ländern zur Welt gekommen, die ihren Eltern vor der NS-Verfolgung Schutz geboten haben und ihnen in dieser Zeit auch eine zweite Heimat geworden sind. Andere sind in den ersten Jahren nach der Rückkehr in Österreich geboren. Für jene Eltern, die 1945 aus Konzentrationslagern und Gefängnissen befreit wurden, war die Rückkehr nach Österreich wohl meist eine naheliegende Entscheidung – ihnen fehlten ja andere Bezugspunkte für ihr künftiges Leben. Für jene Eltern, die während der NS-Zeit zumindest zeitweise in anderen Ländern gelebt hatten, gilt das nicht.

 

 

 

 

 

 

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In diesem Buch ist u.a. die Erzählung des Dachau-Häftlings Ferdinand Berger über seine Zeit im KZ Dachau enthalten.

 

 

 

 

 

 

 
 

 
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Gedenken am 1. April 2016 am Westbahnhof in Wien bei der Gedenktafel an den 1. Dachautransport 1938
 

Die österreichische „KZ – Gemeinschaft Dachau“ wird mittlerweile zur Gänze von Angehörigen der 2. Generation getragen, da – nach dem Tod von Hans Landauer im Jahr 2014 - keine ehemaligen Lagerinsassen mehr am Leben sind.

  • Ausbau der Kooperation mit der „Vereinigung Österreichischer Freiwilliger in der Spanischen Republik 1936-1939“ unddem Spanien-Archiv im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

In Österreich nahmen nach heutigem Stand der Forschung 1400 Freiwillige aus Österreich haben auf der Seite der Spanischen Republik gekämpft, davon sind 235 in Spanien gefallen und 382 Interbrigadisten in Dachau interniert worden (72 kamen in andere KZ’s). Unter ihnen waren - neben Alois Peter, dem Vater von Eva Friedler - Hans Landauer und Ferdinand Berger, die beide Vertreter Österreichs im CID waren. Aufgrund dieser inhaltlichen (und auch familiären) Nähe sowie aus Gründen der Synergie haben wir die Kooperation zwischen den beiden Organisationen weiter vertieft.

http://www.doew.at/erinnern/biographien/spanienarchiv-online

(siehe Artikel von Erich Hackl in der Zeitung Augustin Nr. 372).

  • Buchpräsentation

Irene Filip, Tochter des Dachau-Häftlings Leopold Baumann und Vorstandsmitglied der österreichischen „KZ-Gemeinschaft Dachau“ organisierte im November 2015 im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes eine Buchpräsentation:

Jakob Matscheko - AUF FRANCOS SEITE Österreicher in den Reihen der Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg

Als im Sommer 1936 die spanische Republik gegen die Nationalisten unter Franco um ihr Leben kämpfte, eilten tausende Freiwillige – unter ihnen 1400 Österreicher und ÖsterreicherInnen - aus der ganzen Welt zu Hilfe. In diesem Buch wird erstmals dokumentiert, dass es leider auch einige Österreicher gab, die die Franco-Truppen materiell, politisch und eben auch personell unterstützt haben. Das Buch analysiert die völlig unterschiedlichen Motive dieser Unterstützer Francos.

  • Weitere Kooperation mit dem Forschungsprojekt „Die Kinder der Rückkehr - Zur Geschichte einer marginalisierten Jugend.“

Im April 2015, am 70. Jahrestag der Befreiung Wiens, fand an der Diplomatischen Akademie in Wien eine Präsentation des Zwischenberichts des Projektes „Die Kinder der Rückkehr. Zur Geschichte einer marginalisierten Jugend“ statt.

  • Vorbereitung des CID – Preises

Ernst Berger hat dem Votum des Verwaltungsrates entsprechend – gemeinsam mit Univ. Prof.in Dr. Sybille Steinbacher, Zeithistorikerin an der Universität Wien und Leiterin des Dachauer Symposiums – ein Reglements sowie den Vorschlag der Zusammensetzung einer Jury für einen CID Preis entwickelt, die dem Verwaltungsrat bei seiner Sitzung im März 2016 zur Beschlussfassung vorliegen.

 

TÄTIGKEITSBERICHT 2014

  • Gedenkfeier anlässlich des 1. Transportes ins KZ-Dachau

Die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände veranstaltet gemeinsam mit der ÖBB und der Lagergemeinschaft Dachau eine Gedenkfeier anlässlich des ersten Transportes ins KZ-Dachau. 1.4.2014, 1150 Wien, Westbahnhof

  • 20. Gedenkveranstaltung beim Loibltunnel: Erinnerung und Mahnung

Kooperation mit dem Mauthausen-Komitee Kärnten im Rahmen der jährlichen Gedenkfeier am Loiblpass, die unter Beteiligung einer Delegation der Stadt Dachau stattfand. Peter Gstettner sagte, dass sich immer mehr junge Menschen für das einstige KZ Loibl Nord und die Geschichte der Zwangsarbeiter des Lobltunnels, von denen viele einen grausamen Tod starben, interessieren würden. Er dankte allen Engagierten im Zusammenhang mit der Erforschung dieser „Baustelle des Todes“ am Loibl Stellvertretend für die Stadt Dachau  legten Zeitgeschichtsreferent Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Heinritz und Zweiter Bürgermeister Kai Kühnel einen Kranz auf der Nord- und Südseite des Tunneleingangs nieder.

  • Mitwirkung an der Planung der Festveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Aussenlagers Hallein des KZ-Dachau, die am 8. Mai 2015 stattfinden wird.