Einen neuen Präsidenten 

Jean Michel thomas5maiIMG 6374Wir haben Jean-Michel Thomas ein paar Fragen gestellt und möchten ihn gerne durch dieses Interview Ihnen vorstellen. 

 


Woher kommen Sie und können Sie uns über Ihre Vergangenheit etwas sagen?

Ich komme aus der Normandie und wohne an der Seine in der Nähe von Rouen. Nach dem Abschluss an einer höheren Handelsschule habe ich meinen Militärdienst geleistet und bin dann in der Armee geblieben. Das war die Zeit des Kalten Krieges, den einzigen Krieg, den man gewann, ohne dass auch nur ein einziger Kanonenschuss abgefeuert werden musste! 38 Jahre lang habe ich der Armee in unterschiedlichsten Funktionen bis zum Grad eines Generals gedient.

Was ist gegenwärtig Ihre Hauptbeschäftigung?

Als Büromitglied der französischen Lagergemeinschaft Dachau, Generalsekretär und dann Präsident des CID befasse ich mich hauptsächlich mit der Erinnerung an die Deportation. Ich wirke auch in Umwelt- und Heimatschutzverbände mit. Ich habe eine kinderreiche Familie mit 5 Kindern und 13 Enkelkindern.

Was verbindet Sie mit dem CID?

Ich bin der Sohn eines nach Dachau verschleppten Deportierten. Mein Vater flüchtete zweimal als Kriegsgefangener und schloss sich Anfang 1942 der französischen Widerstandsbewegung, wurde im April 1944 verhaftet und wie sein Kamerad Andre Delpech, zukünftiger General und CID-Präsident, mit dem Todeszug am 2. Juli 1944 nach Dachau gebracht.
Als ich 2009 nicht mehr in der aktiven Armee eingeteilt war, kam ich zum CID, um dem Generalsekretär Jean Samuel zur Seite zu stehen. Unvorhergesehene Umstände haben mich zum Präsidenten ernannt. Die Personenfragen sind ein Randthema. Wir sind hier durch den Willen der Überlebenden. Die Mission mit der sie uns beauftragt haben, ist klar und es ist für mich eine große Ehre.

Plus jamais, Nie wieder, Never again sind kurz gesagt der Auftrag des CID.

Dieser universale Friedenswunsch ist noch lange nicht erreicht. Die Information über die Vergangenheit, und besonders über den Nationalsozialismus sowie über die Realität der Konzentrations- und Vernichtungslager fördert allerdings einen heilsamen Bewusstwerdungsprozess. Das ist ein wertvoller Trumpf für den Kampf gegen die Wiederkehr solcher Gräuel. „Gedächtnis, der Wächter des Gehirns“.

Ihrer Meinung nach, was ist uns gelungen nach 70 Jahren?

Die ersten Ziele des CID wie die Erhaltung des Lagers, die Errichtung eines Mahnmale und eines Museums wurden erreicht. Weitere Zielsetzungen bestehen darin, an der Seite der offiziellen aber auch assoziativen und religiösen Partner, die sich ihm widmen, sich an dem Kult der Erinnerung zu beteiligen. Ich bin von der Anzahl von den meistens ehrenamtlichen Personen beeindruckt, die sich dieser Aufgabe annehmen. Das KZ Lager wird von ca. 900 000 Besuchern besucht und es ist ein ermutigendes Ergebnis.

In welcher Richtung möchten Sie das CID orientieren und welches sind die größten Herausforderungen?

Die Ziele des CID sind die Erhaltung und Verteidigung der Erinnerung an das Konzentrationslager Dachau. Zurzeit gibt es viele und ehrgeizige Projekte seitens der KZ-Gedenkstätte, wie die Verbesserung der Zugänglichkeit für alle, die Instandsetzung der Baracken, die Sanierung des Geländes in Mühlldorf, die Rückgewinnung der Gebäude im Kräutergarten durch die Gedenkstätte und derer Restaurierung.
Wir unterstützen sie vollauf und unsere Zusammenarbeit geht in diesen Richtungen. Für eine bessere Kenntnis der Realität dieses Lagers, „Modells“ des Universums der Konzentrationslager, kann sie verschiedene Formen der Unterstützung annehmen.

Was beunruhigt Sie am meisten in der Welt?

Die verstärkte Wiederaufnahme des Kriegs gegen die westliche Welt durch einen islamistischen Staat, der dem Nazismus nahe ist, ist eine echte Gefahr für den Frieden.
Was das Lager Dachau anbelangt, ist in Bezug auf falsche Zusammenhänge, auf Verfälschungen der Lagergeschichte, auf die Einführung von virtuellen Videospielen auf heilige Orte oder auf falsche Behauptungen der Presse über die Beherbergung von Flüchtlingen im Lager Dachau besondere Wachsamkeit gefordert.

 

photo Jean Michel Thomas 1024

 

Was sind die Dinge im Leben, die Sie am meisten schätzen?

Auf dieser Welt, wo es nichts gratis gibt, in einer materiell dominierten Welt der Rentabilität und des Profits, wo von allem den Preis gegeben aber von nichts den Wert gekannt wird, schätze ich die ehrenamtliche Tätigkeit, das Schenken seiner Zeit, insbesondere für die edle Sache, der wir dienen.

 

20160114 125704Mit Frau KNOBLOCH, Präsidentin der Israelische Kultur Gemeinschaft Munchen und Oberbayern