Alois Peter

AloisPeter

 

Geboren am 4. Mai 1914 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Wien.

Mein Vater verbrachte seine Kindheit mit noch 3 Geschwistern in Wien. Er war gelernter Buchbinder und ich habe ihn immer lesend in Erinnerung.

Er hatte sich bereits als junger Mensch politisch engagiert und setzte sich nach den Ereignissen des Februar 1934 verstärkt für die Rechte der arbeitenden Bevölkerung ein. Wegen seines aktiven Engagements gegen den zunehmenden Faschismus in Österreich wurde er noch im selben Jahr in Wöllersdorf inhaftiert.

 

 

 

 

 Nach seiner Entlassung nahm er seine illegale Tätigkeit in der Arbeiterbewegung wieder auf. Als er 1937 von der Gestapo gesucht wurde, musste er fliehen.

Spanien:

Sein Weg führte ihn über Paris nach Spanien, um in der 11. Internationalen Brigade gegen Franco zu kämpfen.

Über die französischen Lager in Saint-Cyprien, Gurs und Le Vernet – wo er, wie viele andere, im April 1941 den deutschen Behörden übergeben wurde – kam er ins KZ Dachau.

Dachau:

Vom 1. Mai 1941 bis zu Befreiung war er in Dachau inhaftiert und konnte überleben. Er selbst beschreibt seine Situation in Dachau so: „Jeder Dachauer Häftling wurde nach seiner Einlieferung in das KZ einem Arbeitskommando zugeteilt ....Wer das Glück hatte, in ein gutes zu kommen, für den war das Lagerleben halbwegs erträglich. Die Lagerbücherei war ein gutes Kommando. Der Hälfte der dort beschäftigten 20 bis 25 Schutzhaftgefangenen war von der SS-Lagerverwaltung befohlen worden den Bestand Lagerbücherei und den Buchverleih durchzuführen.“ Und etwas später: „Die Häftlinge in der Lagerbücherei und in der -Buchbinderei waren nicht sehr beschäftigt, sie wurden daher gezwungen Sonderwünsche der SS auszuführen.“ („Österreicher im spanischen Bürgerkrieg“, Österreichischer Bundesverlag, 1986, Seiten 313, 314)

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Heirat mit Agnes Haasz

 

 

Rückkehr nach Wien:

Nach dem Krieg heiratete mein Vater Agnes Haasz, eine ebenfalls überzeugte Antifaschistin, deren Vater - Arpad Haasz - Ausschwitz und den Todesmarsch nach Mauthausen – Ebensee überlebt hatte. 1947 wurde ich – Eva Peter – und einundeinhalb Jahre später meine Schwester – Susanna Peter - geboren.

AloisPeterLesend

Immer lesend

 

Als wir noch Kinder waren, hat unser Vater kaum etwas über seine Zeit in der Illegalität, oder im KZ erzählt. Erst als seine Enkelin Simone erwachsen war, fuhren wir alle gemeinsam nach Dachau. Dort konnte er uns durch das Lager führen, über das Lagerleben und seine Erlebnisse berichten. Seine Familie war ihm wichtig und mit seiner einzigen Enkeltochter war er viel mehr in der Lage über die Vergangenheit zu sprechen und zu erzählen, als er es mit seiner Frau oder seinen Töchtern tat. Erst im hohen Alter sprach er öfter über die Gräuel, die er und seine MitstreiterInnen erleben mussten.

Er blieb auch nach den langen Jahren der Gefangenschaft politisch engagiert und arbeitete in der Kommunistischen Partei, erzählte in Schulen als Zeitzeuge und beteiligte sich an vielen Diskussionen über die Geschehnisse in Spanien und im KZ.

 

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Im Alter wieder lesend

 

 

Er starb 2002.

Erinnerung:

Wie erwähnt war mein Vater ein politischer Mensch und solange er lebte nahm er am Aufbau des CID teil. Er war bei den Generalversammlungen und den Befreiungsfeiern anwesend und ich hatte damals noch wenig Motivation dies gemeinsam mit ihm zu machen. Aber nach seinem Tod und mit dem Bewusstsein, dass immer weniger Menschen der 1. Generation des KZ Dachaus selber anwesend sein können, um dem Vergessen entgegenzutreten , übernahm ich seine Stelle und nehme nun als eine Vertreterin von Österreich an den CID Aktivitäten teil. Derzeit übe ich auch die Funktion einer Rechnungsprüferin für das CID aus.

Mein Vater würde sich über mein Engagement freuen und es sehr begrüßen, dass die Arbeit gegen den Faschismus weiter geht!

 

Dr. Eva Friedler, geb. Peter