70 Jahre Befreiung, 3. Mai 2015 maxbijcrematorium

 

Gedenken vor dem ehemaligen Krematorium

Begrüßung von Dr. Max Mannheimer

 

Sehr verehrte Anwesende,

im Namen des Internationalen Dachau Komitees und der Lagergemeinschaft Dachau möchte ich Sie herzlich willkommen heißen. Ich begrüße den bayerischen Ministerpräsidenten, Herrn Horst Seehofer, die Damen und Herren der diplomatischen Vertretungen, der Kommunen und des Land­kreises, der Religionsgemeinschaften, der Parteien und Organisationen, die Kameradinnen und Kameraden, ganz besonders die Überlebenden aus den verschiedenen Ländern.

Vor 70 Jahren befreite die Einheit der Rainbow Division am 29. 4. 1945 das Konzentrationslager Dachau von der Nazi­herrschaft, von Unterdrückung, Hunger und Tod. Namentlich möchte ich deshalb den Vertreter unserer Befreier begrüßen, Herrn U.S. Botschafter Alan Lukens, der schon in den vergangenen Jahren unser Gast gewesen ist. It is for us, the survivors, a great honor, to welcome the former U.S. Ambassador Mr. Alan Lukens and all Liberators and their relatives.
Mit uns ehemaligen Dachau Häftlingen sind Verwandte, Freunde und Begleiter gekommen, denen dieser Jahres­tag genauso wichtig ge­worden ist wie uns. Ihnen Allen einen herzlichen Gruß.

70 Jahre nach dem Ende einer grausamen Barbarei fragen wir uns heute wieder, was bedeutet noch mensch­liches Leben, was ist der Mensch dem Menschen noch wert? Wir leben in rasanten Fortschritten in Wissen­schaft, Technik und globaler Vernetzung; aber haben wir auch etwas über den Menschen gelernt? Sind humane, demokratische und freiheitliche Werte gewachsen? Leider müssen wir in einigen Ländern, mitten in Europa und auch in Deutschland, eine gegenteilige Entwicklung feststellen.

70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erinnern wir uns und gedenken der 41 500 Toten von Dachau und seinen Außenlager. Unser Gedenken hat nur einen Sinn, wenn wir für Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit auch mit Risiken für die eigene Position einsetzen. Aus dem heutigen Gedenken muss ein verantwortungs­volles Bewusstsein hervor­gehen, ein mutiges Handeln gegen jede Art von Unrecht. „Erinnerung und Gedenken müssen gleichermaßen Aufgabe von Staat und Gesellschaft sein" (Vermächtnis der Überlebenden) Verantwortung fordert immer auch zu aktivem Tun heraus. In einer Demokratie muß jeder Einzelne dafür einstehen, daß Menschen nicht verfolgt werden, weil sie anders leben, anders glauben, eine andere Hautfarbe oder Sprache haben. Das Verbindende muß stärker sein als das, was uns unterscheidet, denn die Feindbilder der Nazis dürfen sich nicht wiederholen.

Wir sollten nicht unsere Ohnmacht gegenüber dem welt­politischen Spiel der Großen beklagen, sondern lieber klar Stellung beziehen im kleinen Umfeld, in dem wir leben. Auch da gibt es genügend Gelegenheit, nicht weg­­zu­schauen, sondern Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und menschenverachtende Ideologien aufzudecken.

In Dachau waren Verfolgte und Gefangene aus ganz Europa, - gedemütigt, erniedrigt, gequält und getötet. Sie waren vereint in völliger Rechtlosigkeit.
Im Jahr 2015 soll heute von Dachau ein Zeichen der Versöhnung und der Menschenrechte ausgehen.

Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind.