70. Jahrestag der Befreiung


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Rede des CID Präsidenten

Pieter Dietz de Loos

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Liebe Überlebende aus den verschiedenen Ländern,
Liebe Veteranen und Befreier der 7. US- Armee,
Meine Damen und Herren, Vertreter der Regierungen und Bayern, der
diplomatischen Vertretungen, des Landkreises und der Kommunen, der
Religionsgemeinschaften, der Parteien und Organisationen, der Bayerischen und
Bundesregierung,
Liebe Freunde der Stiftung Bayerische Gedenkstätte, der KZ-Gedenkstätte Dachau
Sehr verehrte Anwesende,
Ihre Anwesenheit, sehr verehrte Bundeskanzlerin, die den Andre-Delpech-Preis verliehen bekam, ehrt das CID, Mitveranstalter dieser Gedenkfeier.
Sie sind die Vertreterin des Deutschen Volkes.
Ihre Anwesenheit bezeugt, dass das deutsche Volk einmütig jegliche Form von
Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass bekämpft, und dass die Häftlinge, die
hier gelitten haben und ermordet wurden, geehrt werden.

Ein wichtiger Umstand muss erwähnt werden. Gestern morgens las ich einen Bericht von Reuters / USA, dass das Lager Dachau ein jüdisches Vernichtungslager war, wo 200.000 Juden inhaftiert waren und 41.000 ermordet wurden. Dieser Bericht ist falsch! Gegenüber Fehlinformationen müssen wir wachsam sein! Man darf nie vergessen, dass Dachau ein Lager des politischen Widerstandes war. Hier wurden zuerst deutsche politische Häftlinge, Widerstandskämpfer, inhaftiert, gequält und ermordet. Dann kamen politische Widerstandskämpfer aus ganz Europa hinzu. Der Viertel der Inhaftierten waren politische Widerstandskämpfer, politische Deportierte.
Die jüdischen Gefangenen wurden meist nicht im Stammlager Dachau, sondern in Kaufering, Landsbergen und anderen Außenlagern inhaftiert.
Im Namen des CID scheint es mir daher wichtig, zu betonen, dass unter den Häftlingen von Dachau die absolute Mehrheit politische Häftlinge waren. Wir dürfen die 6 Millionen ermordeter Juden nicht vergessen oder die mehr als 500.000 ermordeten Sinti und Roma und andere verfolgte Gruppen. Aber die jüdischen Opfer der Nazi dürfen auch jetzt nicht hat durch falsche Berichte missbraucht werden. Daher ist festzuhalten: Dachau war kein jüdisches Vernichtungslager, wie Reuter es darstellt. Dachau war die „Schule der Gewalt". Hier wurden die Pläne entwickelt, den Widerstand gegen die Nazis zu vernichten. Dieses Modell war die „Blaupause" für die Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka, Majdanek und so weiter.

Dachau ist ein Symbol des Widerstandes, das uns als Nachkommen der politischen Widerstandskämpfer verpflichtet, darüber nicht zu schweigen!
Das besondere Volk der Sinti und Roma, von denen mindestens 500.000 ermordet wurden, wurde lange nicht als Opfer anerkannt. Sie konnten gestern die bedeutende Ansprache vom Herrn Romani Rose hören, in der er forderte, dass endlich in Berlin ein Mahnmal für dieses Volk errichtet werden soll. Aber das ist nicht genug! Monumente für die Roma und Sinti und für Juden in Dachau und anderswo ohne unseren Einsatz für Frieden, gegen Fremdenhass, gegen Antisemitismus, gegen Xenophobie und Diskriminierung bleiben Steine ohne Herzen!

In der heutigen Welt ist es für Minderheitsgruppen, wie die Juden, die Roma und Sinti und anderen außerordentlich wichtig, daß wir diese Gruppen schützen und ihnen die Möglichkeiten bieten, in Sicherheit zu leben und sich in unserer Welt zu Hause zu fühlen.

Im Namen des Internationalen Dachau Lagerkomitee erteile ich nun das Wort an drei ehemalige Häftlingen, die Widerstand gegen den Nazismus geleistet haben: Jean-Samuel, Vladimir Feierabend und Abba Naor.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

3 May 2015