Rede des Vizepräsidenten des CID und Vorsitzenden der
Lagergemeinschaft Dachau,
Dr. Max Mannheimer.

Sehr verehrte Anwesende,

im Namen des Internationalen Dachau Komitees und der Lagergemeinschaft Dachau möchte ich Sie herzlich willkommen heißen. Ich begrüße Herrn Staats­sekretär Bernd Sibler als Vertreter der Bayrischen Staatsregierung, die Damen und Herren der diplomatischen Vertretungen, der Kommunen und des Land­kreises, der Religionsgemeinschaften, der Parteien und Organisationen, die Kameradinnen und Kameraden, ganz besonders die Überlebenden aus den verschiedenen Ländern.

Dr-Max-Mannheimer2Das Jahr 2013 hat viele Erinnerungstage. Keine, an die man sich wirklich erinnern möchte: 80 Jahre Machtergreifung, Reichstagsbrand, Bücherver­brennung, 75 Jahre Pogromnacht, 70 Jahre Aufstand und Niederschlagung im Warschauer Ghetto. Und vor 80 Jahren, am 22. März 1933 wurde das erste Konzentrationslager der Nationalsozialisten hier in Dachau eröffnet. Schon in den ersten Tagen wurden einige der Häftlinge gefoltert und ermordet. Doch die Gewalttaten und Morde blieben straflos und die Gefangenen jeder Willkür ausgesetzt.
Das war nur der Anfang einer Entwicklung, in deren Verlauf über 200 000 Menschen aus ganz Europa im KZ Dachau und seinen Außenlagern ihrer Freiheit beraubt, gequält und ausgebeutet wurden. Etwa 41 500 Menschen starben unter dem mörderischen System des NS-Regimes allein in den 12 Jahren in Dachau und den Außenlagern. Wir dürfen sie nie vergessen.

Leider ist es so, daß wir nicht in die Vergangenheit allein zurückblicken, um uns an Verbrechen und Unrecht erinnern zu lassen, sondern daß wir fast tagtäglich auch heute durch die Medien damit konfrontiert werden. Es ist erschütternd, daß eine kleine Gruppe Neonazis über Jahre hinweg, von den Sicherheitsbehörden unerkannt und ungehindert, Morde und Anschläge verüben konnte. Auch 80 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers zeigen die aktuellen Ereignisse in Deutschland, daß die nationalsozialistische Ideologie immer noch Quelle für rechtsextremes Gedankengut und menschenverachtende Gewalt ist.
Es ist mir unverständlich, daß die NPD, deren Ziel es ist, einen Staat nach Hitlers Vorbild zu errichten, noch immer nicht verboten ist. Ich rufe die Bundesregierung auf, Voraussetzungen zu schaffen, damit sich die Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht nicht wiederholt. Beim weiteren Bestehen der NPD, die für jede Stimme einen bestimmten Betrag erhält, finanziert der Steuerzahler eine Organisation, die an der Zerstörung der Demokratie aktiv beteiligt ist.

Verbote und Verhaftungen sind gewiß notwendig, kommen aber an die eigentlichen krankhaften Ideologien nicht heran. Man sieht es daran, daß sogar in den Gefängnissen ein braunes Netzwerk nicht unterbunden werden kann.

Dr-Max-Mannheimer3Wir dürfen es nicht den Politikern überlassen, gegen rechte Parolen, Hetze und Aufmärsche, gegen Gewalt und Terror vorzugehen. Dazu sind wir alle aufgerufen. Heute kann niemand mehr - wie früher – sagen, davon habe ich nichts gewußt oder das geht mich nichts an. Eine Mitverantwortung für eine humane Gesellschaft geht uns alle an.
Die Frage wird uns nicht abgenommen werden: Was können oder müssen wir tun, um die zerstörerischen Ideen einer verführten und verführbaren Jugend umzukehren?
Ich weiß es auch nicht.
Die Reihen der Überlebenden haben sich stark gelichtet. Umso bedeutender ist unser Gedenken in diesen Tagen und die Mahnung, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit aktiv zu schützen und zu bewahren.

Ich danke Ihnen.