Eröffnung der Sonderausstellung über das CID Internationale Mahnmal

pieterbios


1. Mai 2015

KZ-Gedenkstätte Dachau

Grußworte von Pieter Dietz de Loos, Präsident des CID

 

 

 

 

 

publicumbiosSehr verehrte Damen und Herren,

es ist wichtig daran zu erinnern, daß das Internationale Dachau Mahnmal auf die Initiative Überlebender des Lagers errichtet wurde, die im Internationalen Dachau Komitee organisiert sind, und daß die in den sechziger Jahren in der Gedenkstätte aufgebauten Erinnerungsstrukturen eher die Verschiedenheit der politischen Sichten der Verbände von Überlebenden als eine Reflexion über die Geschichte wiederspiegeln.

Es ist zu beachten, daß die Mehrheit der im Internationalen Dachau Komitee zusammengeschlossenen Überlebenden politische Gefangene waren, die im Lager drei Viertel der Häftlinge bildeten.

Die meisten deutschen Mitglieder des Internationalen Dachau Komitees waren politische Gegner des NS-Regimes, die bereits Anfang der dreißiger Jahre verhaftet wurden. Die politischen Gegner der anderen Länder wurden währen der Kriegsjahre deportiert und durch die SS viel schlechter als ihre deutsche Mithäftlinge behandelt, da sie Ausländer waren.

Die deutschen betrachteten die Konzentrationslager als Orte, wo sie gegen das NS-Regime heldenhaft gekämpft hatten, während diese Orte für die Überlebenden aus den anderen Ländern Orte einer außergewöhnlichen Barbarei waren.

Zu der Zeit als das ehemalige Konzentrationslager in eine Gedenkstätte umgestaltet wurde, sahen die deutschen Lagergemeinschaften und die Verbände aus den anderen Ländern die Vergangenheit mit anderen Augen, was Auswirkungen auf die Neugestaltung des Gelände hatte.

expositinandorGLID

Die CID-Mitgliedsverbände konnten jedoch ihre Differenzen überwinden und zur Erreichung eines der Hauptziele des internationalen Komitees gemeinsam arbeiten, nämlich die Errichtung eines internationalen Mahnmals und die Umgestaltung des Lagers in eine Gedenkstätte. „Der Grundstein für das Denkmals, welches zur Ehre der zwischen 1933 und 1945 gefallene Opfer errichtet sein wird" wurde im September 1956 durch das CID gelegt.

Während mehr als zehn Jahren haben Arthur Haulot, Carel Steensma, René Van der Auwera, Albert Guérisse, André Marsault und so viele andere mehr ein Patronatskomitee, Wettbewerbe, Jurys gebildet, sowie Geldbeschaffungskampagnen organisiert oder die Lieferung von Granit, Marmor, Zement begleitet und somit die Projektbegleitung sichergestellt. Die ehemaligen Dachau Häftlinge haben 1967 den Fortbestand ihres Mahnmals gewährleistet, in dem sie zum Grundstein eine Urne mit anonymer Asche aus dem Krematorium einmauerten.

Nach dem von CID organisierten Wettbewerb wurden im 1959 63 Projekte entgegengenommen. 45 davon wurden im Ministerium für Gesundheit und Familie in Brüssel ausgestellt.

Die Lagergemeinschaft Westdeutschlands unterstützte das Projekt eines deutschen Architekten, der einen fünfunddreißig Meter hohen Mast mit Winkeln vorschlug, welcher den heldenhaften Widerstand der Überlebende und den Sieg über das NS-Regime darstellte.

Die Lagergemeinschaften aus Belgien und Frankreich, die den Anstoß zur Neugründung des CID im 1955 gaben, spielten eine dominante Rolle innerhalb des CID-Präsidiums und bevorzugten das Projekt des Jugoslawen Nandor GLID.
Dieses Projekt stellt die unmenschliche Behandlung von gesichtslosen, namenslosen Menschen, eine Häftlingsmenge dar, die in der Masse verloren wie wertlose Tiere gestorben sind.

 

monument nandor totaal

 

Der damalige CID-Präsident Dr. Albert Guérisse entschied. Er wurde selbst verhaftet und nach Dachau verschleppt, da er für die britische SOE arbeitete: er wählte das Projekt von Nandor GLID und fügte eine zweite Skulptur: ein Ketten- und Winkelrelief am Fuß des internationalen Mahnmals hinzu.

Man stellt fest, daß der grüne, der schwarze und der rosa Winkel (der „kriminellen Verbrecher", der „Asozialen" und der Homosexuellen) fehlen.
Die deutschen politischen Gefangenen trugen einen roten Winkel, die Spitze nach unten.

Das internationale Monument aus Dunkelbronze von Nandor GLID ist ein Meter zwanzig tief, vierzehn Meter vier lang und fünf Meter sieben hoch. Die Skelettköpfe hängen nach unten, die Hände veranschaulichen die Stacheldrähte. Unterhalb vom Mahnmal sind die Daten 1933-1945 eingraviert, die ganze Periode, während der das Konzentrationslager von den Nazis benützt wird.

Aber wer ist der Autor dieses im 1968 eingeweihten Denkmals?

Nandor GLID ist ein jugoslawischer Bildhauer, dessen ganze Familie vernichtet wurde. Er ist in Subotica in Jugoslawien geboren, eine Ort, die gegenwärtig im Nordserbien liegt. Seine Familie wurde nach Auschwitz deportiert und Nandor GLID wurde in Szeged, in Ungarn, zur Zwangsarbeit geschickt.
Er konnte flüchten, sich den Partisanen Titos anschließen, wo er in einer gegen die Nazis kämpfenden Einheit eine wichtige Rolle spielte. Im März 1945 wurde er in Bolman in Jugoslawien verletzt.

monument nandor detail

Außer der Skulptur des Internationalen Dachau Mahnmals hat Nandor GLID andere bedeutende Monumente in Jugoslawien und Griechenland geschaffen, insbesondere ein nach dessen Tod durch seinen Sohn Daniel fertiggestellten Denkmal: dieses 1997 durch den griechischen Präsidenten gewählte und vom zentralen Verband der jüdischen Gemeinden bestellte Denkmal befindet sich in einem Stadtviertel Salonikis, wo 96% der jüdischen Bevölkerung vernichtet wurde.

Abschließend möchte ich im Namen des CID allen Mitarbeitern der Gedenkstätte um Dr. Gabriele Hammermann und Dr. Andrea Riedle sehr herzlich danken, die eine hervorragende Forschungsarbeit geleistet haben, vergessene Archive und Dokumente zusammenstellten und eine Vielzahl von Informationen und Material über das Entstehen und die Hintergründe seiner Errichtung uns bieten.
Vielen Dank an alle.